Artenschutz im Rhein-Sieg-Kreis, Teil IV: „Kobolde der Nacht“ - 15 Fledermausarten im Rhein-Sieg-Kreis

Rhein-Sieg-Kreis Rhein-Sieg-Kreis (hei) – Bei Artenschutz denken viele an den Regenwald und an exotische Tiere. Das ist zutreffend, aber Artenschutz fängt vor der Haustüre an - auch im Rhein-Sieg-Kreis. Fast die Hälfte der etwa 76.000 Tier- und Pflanzenarten in Deutschland sind in ihrem Bestand gefährdet. Der Rhein-Sieg-Kreis möchte in loser Folge gefährdete Arten vorstellen und einfache Maßnahmen beschreiben, die jeder umsetzen kann.

Die Fledermaus

Fledermäuse sind Flugkünstler, aber weder Batman noch Dracula. Sie leben versteckt und jagen nur nachts: Fledermäuse führen ein geheimnisvolles, von Mythen umranktes Leben. Blutleckende Arten gibt es tatsächlich: in Südamerika. Dort gibt es aber ebenso „Vegetarier“, also Fledermäuse, die sich ausschließlich von Früchten ernähren! Viele Fledermäuse, auch im heimischen Bestand, sind bedroht. Vor allem der Rückgang ihrer einzigen Nahrung, der Insekten, macht ihnen zu schaffen. Aber auch die Zerstörung ihres Lebensraums gefährdet die nächtlichen Flieger. Am eigenen Haus und Garten kann man einiges tun, um die quirligen Flattermänner zu unterstützen.

Im Rhein-Sieg-Kreis leben 15 Fledermausarten. Sie alle ernähren sich von Insekten und gehen nachts auf die Jagd. Ein Tier kann pro Nacht bis zur Hälfte seines Gewichtes an Insekten fressen. Die Wasserfledermaus fängt zum Beispiel oft über 4000 Mücken. Aufgrund der bevorzugten Sommerquartiere unterscheidet man zwischen Baum- und Hausfledermäusen. Die Baumfledermäuse wie Wasserfledermaus oder Braunes Langohr leben in verlassenen Spechthöhlen, losen Rinden oder anderen Hohlräumen in Bäumen.

Die Hausfledermäuse wie großes Mausohr und Zwergfledermaus bevorzugen Speicher, Fassadenverkleidungen, Mauerspalten oder -hohlräume in Siedlungsgebieten. Die Sommerquartiere sind auch die Kinderstuben der Fledermäuse, den Winter verbringen alle in frostsicheren Höhlen, die teilweise mehrere Hundert Kilometer entfernt liegen können. Dazwischen können Paarungsquartiere im Herbst und Zwischenquartiere während der Wanderzeiten aufgesucht werden. Alle Fledermäuse sind auf Grund ihrer diffizilen Biologie selten geworden und stehen unter strengem Artenschutz.

Wer zum Schutz der heimischen Fledermäuse mit beitragen möchte, kann bekannte Populationen der Kreisverwaltung melden und einige „Spielregeln“ beachten. So können die Fledermäuse beobachtet werden, aber dies sollte ohne eine Störung der Tiere einhergehen. Im Juni und Juli befinden sich die Jungtiere mit ihren Müttern in der so genannten „Wochenstube“; dann sollte man auch auf eine Beobachtung der Tiere verzichten und diese völlig in Ruhe lassen.

Auch beim Umbau eines Dachstuhls, kann es vorkommen dass Fledermäuse gestört werden. Wenn dem so ist, wäre es zum Schutz der Tiere hilfreich, den Umbau auf September zu verlegen. Eine eventuell notwendige Holzschutzbehandlung sollte dann auch erst ab September mit Heißluft erfolgen. Öffnen Sie das Dach dabei mit speziellen siebfreien Lüftungsziegeln und bringen Sie Fledermausnisthilfen an. Es gibt auch Fledermausniststeine, die in die Dämmung eingebaut werden können.

Nähere Auskünfte erteilt das Umwelttelefon des Rhein-Sieg-Kreises, - Der Landrat -, 02241/132200.